Huawei P9 Plus im Test: Leica, Lack & Press Touch

By 6. November 2016 Dezember 29th, 2016 Smartphones, Technik im Test
Huawei P9 Plus im Test

Design & Verarbeitung

Wir sind es von Huawei gewohnt, dass das Design und die Verarbeitung in der P-Serie die höchsten Ansprüche erfüllt.
Mit dem P9 Plus hat sich Huawei nochmal selbst übertroffen und eines
der wohl schönsten Smartphones der letzten Jahre auf den Markt gebracht.
Im Gegensatz zum Huawei P8 liegt das P9 Plus, wie auch das Huawei P9, dank den abgerundeten Kanten und einer dicke von gerade einmal 7 Millimetern noch angenehmer in der Hand und sieht dabei auch noch verdammt edel aus.

Die Größe von 152.3mm × 75.3mm und das Gewicht von 162 Gramm könnte allerdings
für Leute mit kleineren Händen etwas problematisch werden.
In diesem Fall empfehlen wir das Huawei P9.
Das Design entspricht im großen und ganzen dem des kleineren Bruders, abgesehen von der Rückseite aus Aluminium, denn diese ist zusätzlich mit einer Lackschicht überzogen und lässt das P9 Plus einen Tick eleganter aussehen, jedoch ist es dadurch auch etwas empfindlicher gegenüber Kratzern und Fingerabdrücken.
Da es sich um ein Unibody Gehäuse handelt, gibt es keine Spaltmaße und das Smartphone wird dadurch äußerst robust und verwindungssteif.

Bedauerlicherweise ist das Huawei P9 Plus in Deutschland im freien Handel nur in der Farbe Quarz Grey erhältlich. Die Keramik-weiße Variante bleibt uns leider erspart und das Goldene Modell gibt es nur bei ausgewählten Providern zu kaufen.

P9 Plus Display & Press Touch

Huawei setzt beim P9 Plus wie schon beim Mate S auf ein AMOLED Panel mit 5,5 Zoll Diagonale und einer Auflösung
von 1920×1080 Pixeln, dies entspricht einer Pixeldichte von 401ppi.
Es handelt sich also um ein FullHD Display, welches durch leicht abgerundetes 2,5D Gorilla-Glas 3 geschützt wird.
Durch die AMOLED Technik ist eine hohe Blickwinkelstabilität und ein niedriger Akkuverbrauch gewährleistet.

Die Schwarzdarstellung ist bei diesem Displaytyp unübertroffen, schwarz ist wirklich schwarz und kein dunkles Grau, wie
bei einem LCD Panel. Farben wirken trotz des AMOLED Bildschirms nicht zu kräftig oder übersättigt, können
aber in den Einstellungen, genauso wie die Farbtemperatur, reguliert werden.
Im direkten Vergleich ist das Display des P9 Plus nicht so leuchtstark, wie das des normalen P9, jedoch ist es noch
völlig ausreichend um im Sonnenlicht Inhalte erkennen zu können.

Eine Besonderheit am Display des P9 Plus ist die Press-Touch Technologie die erstmals beim Mate S Premium zum Einsatz kam, dadurch ist der Touchscreen druckempfindlich und kann unterscheiden, ob man den Bildschirm nur leicht oder mit mehr Druck berührt. So kann man beispielsweise in der Galerie durch entsprechendem Druck Bilder Lupen ähnlich vergrößern.
Außerdem lässt sich die virtuelle Navigationsleiste dadurch komplett ausblenden und durch neue Druckpunkte am unteren Displayrand ersetzen.
Eine tolle Funktion, denn dadurch wird mehr Inhalt auf dem Telefon angezeigt. Leider wird Press-Touch zurzeit nur von Huawei eigenen Apps unterstützt. Wir hoffen, das Apps von Dritt-Herstellern
diese Funktion bald nachrüsten werden. Die Weichen dafür hat Huawei durch die Öffnung der API Schnittstelle (2016) schon gelegt.

Performance

Für reibungslose Performance verbaut Huawei seinen hauseigenen 64-Bit
HiSilicon Kirin 955 SoC in das Flaggschiff.
Der auf ARM-basierende Octa-Core Prozessor besteht aus 2 Clustern mit jeweils 4 Kernen (auch big.LITTLE Technologie genannt).
Der Cortex-A72-Cluster besteht aus 4 Kernen, die eine maximale Taktrate von 2,5 GHz erreichen, während die 4 Kerne des Cortex-A53-Clusters mit maximal 1,8 GHz Takten.
Darüber hinaus verfügt das P9 Plus über satte 4 GB Arbeitsspeicher und 64 GB internen Speicher, welcher sich dank Mikro SD Karte nochmals um 128 GB erweitern lässt. Dank dieser überaus Potenten Hardware erweist sich die komplette Bedienung des Smartphones als wunderbar flüssig und schnell. Das P9 Plus gönnt sich nie eine Bedenkzeit, Ruckler und Aussetzer hat es während der kompletten Testzeit nicht gegeben.

Leider passt die Mali-T880 MP4 Grafikeinheit nicht ganz zum Gesamteindruck eines aktuellen Flaggschiff Smartphones und kommt nicht an die Leistung der aktuellen High-End Konkurrenz heran. Das heißt nicht, das die Grafikleistung schlecht ist, denn alle zurzeit erhältlichen Spiele laufen problemlos flüssig mit den höchsten Einstellungen ohne Ruckler. Aber die Leistungsreserven sind bei der Konkurrenz dennoch höher.

Abgesehen davon ist das P9 Plus prozessor-seitig eines der zurzeit schnellsten Smartphones auf dem Markt und überholt im Geekbench Mehrkerntest um Haaresbreite sogar das Samsung Galaxy S7.

Kamera mit Charme

Das Highlight des P9 Plus ist eindeutig die Dual Kamera die in Zusammenarbeit
mit dem deutschen Kameraspezialisten Leica entstanden ist.
Sie entspricht exakt der Kamera-Konfiguration, die auch im normalen P9 vorzufinden ist. Die beiden Kameras lösen jeweils mit 12 Megapixeln auf, wobei
eine für Farb- und die andere für Monochrome-Aufnahmen zuständig ist.

Durch das Zusammenspiel beider Linsen wird mehr Licht als bei klassischen Smartphone-Kameras eingefangen und Fotos wirken lebendiger und detaillreicher.
Die Kameras werden von einem Dual Tone Flash und einem Laser Focus begleitet, welcher sehr schnelle Fokuswechsel ohne langes scharfstellen ermöglicht.

Bedauerlicherweise ist kein Optischer Bildstabilisator (OIS) vorhanden, doch das
wirkt sich nur auf Fotos aus, die bei Nacht oder sehr schlechten
Lichtverhältnissen geschossen wurden;
sie sind zwar brauchbar, jedoch lässt sich eine leichte Unschärfe und Bildrauschen vernehmen.

Abgesehen davon können sich Fotos, die mit dem P9 Plus geschossen wurden, sehen lassen und spielen eindeutig in der obersten Smartphone-Liga. Die Kamera App bietet
schier unzählige Modi, darunter die Nachtaufnahme, bei welchem schöne Fotos bei
sehr schlechten Lichtverhältnissen entstehen, vorausgesetzt man verwendet ein Stativ.
Besonders gefallen hat uns der Modus Große Blende, welche den Vorteil von zwei Linsen nutzt, um Fotos mit Tiefenunschärfe zu schießen, die sich auch im nachhinein bearbeiten lassen.

Im Pro Modus kann man einzelne Parameter wie ISO, Belichtungszeit, Verschlusszeit,
Lichttemperatur etc. manuell einstellen und außerdem Bilder im unkomprimierten RAW-Format aufnehmen.
Videos nimmt die Dual-Kamera mit einer maximalen Auflösung von 1080p und 60fps auf. Einen 4K Modus sucht man leider vergebens. Auffällig ist, das aufgenommene Videos mit 60fps etwas dunkler ausfallen, als in den anderen Modis, welche alle mit max. 30fps aufnehmen.

Insgesamt weiß die Qualität der Videos zu gefallen, besonders der Stereoton.
Allerdings macht sich bei zittrigen Händen der fehlende Bildstabilisator dann doch bemerkbar.
Die Frontkamera löst mit 8 Megapixeln auf und entspricht ebenfalls weitestgehend der des kleineren Bruders. Allerdings verfügt die Frontkamera des P9 Plus über eine etwas größere Blende und ist
dadurch besser für Selfies bei wenig Licht geeignet.

Software & Akkulaufzeit

Das P9 Plus wird mit Android 6.0 ausgeliefert, über das die Benutzeroberfläche EMUI 4.1 gestülpt wurde.
Wie bei vielen Oberflächen von chinesischer Herstellern ist wenig von Googles Material Design übrig geblieben und
ein App Drawer, in welchem alle Apps zusammengefasst sind, ist nicht vorhanden.
Beides wird sich aber demnächst mit EMUI 5 ändern, welche näher an Androids Standardoberfläche angelehnt sein wird.
EMUI bietet haufenweise Features und ist dank Themes vollständig individualisierbar.

Der Telefonmanager stellt die zentrale Anlaufstelle dar und bietet nützliche Funktionen, wie das
Bereinigen des Speichers von temporären App-Daten und einen Telefonbeschleuniger.
Mit Geschützten Apps lässt sich festlegen, welche Apps nach dem ausschalten des Displays im Hintergrund
weiterlaufen dürfen und welche nicht. Im Akkumanager lässt sich der Energieplan ändern, den Verlauf von stromintensiven Apps betrachten und sogar die Bildschirmauflösung von 1080p auf 720p reduzieren um den Akku zu schonen. Bei ganz kritischem Akkustand lässt sich der Ultra-Sparmodus aktivieren, welcher alle Apps beendet, alle Animationen deaktiviert und nur grundlegende Funktionen wie Telefonie, Kontakte und SMS zur Verfügung stellt.

Der Aufbau der Einstellungs-App lässt sich als zu verschachtelt beschreiben, da viele Funktionen erst durch unnötig viele Umwege in Untermenüs zu finden sind. Hier hat uns die Aufteilung in 2 Tabs unter EMUI 3.1 besser gefallen. Außerdem könnten die durchaus vielen Einstellungsmöglichkeiten einige EMUI-Anfänger überfordern, hier muss Huawei mit EMUI 5 nachbessern. Abgesehen davon ist die Software sehr gut auf die Hardware abgestimmt, was sich an der bereits beschriebenen Performance erkennbar macht.

Huawei P9 Plus Akkuverbrauch
Huawei P9 Plus Displaylaufzeit

Der Akku bietet eine Kapazität von 3400 Milliampere Stunden und ist damit 400mAh stärker als beim kleineren P9.
In Kombination mit dem sparsamen AMOLED Display kommen bei moderater Nutzung eine
gute Laufzeit von bis zu 2 Tage zustande. Das mitgelieferte Schnellladegerät mit
Huawei Quick Charge Technologie lädt die Kraftzelle in erstaunlichen 80 Minuten von 0 auf 100 Prozent, in Betracht
auf die große Akkukapazität ist das ein beeindruckender Wert.
Mit Schnellladegeräten anderer Hersteller ist das P9 Plus nicht kompatibel, andersrum genauso, es lädt dann nur mit normaler Geschwindigkeit.

Konnektivität

Wie es sich für ein aktuelles Flaggschiff gehört, besitzt das P9 Plus über alle gängigen Verbindungsstandards. Das WLAN-Modul funkt in a/b/g/n/ac Netzen, unterstützt also auch das schnelle 5 GHz Band. Darüber Hinaus verfügt es über Bluetooth in der neusten Version 4.2 und NFC.

Ins Netz geht es dank schnellem LTE-Cat.6 mit bis zu 300 Mbit/s flott voran.
Eine Besonderheit stellen die 3 Verbauten Antennen dar, diese sorgen in allen Situationen für eine Stabile Verbindung ins Netz und klar verständliche Telefongespräche in beide Richtungen, was auch an den guten Stereo-Mikrofonen liegt, welche die Umgebungsgeräusche zuverlässig aus dem Gespräch filtern.
Dank Wi-Fi+ erkennt das P9 Plus das bessere Netz und kann bei Bedarf automatisch zwischen dem Mobilfunknetz und dem WLAN hin und her wechseln.

An der Oberseite findet sich ein Infrarotsensor, dieser fungiert als Universalfernbedienung für verschiedenste Geräte aller Art. Eine entsprechende App ist bereits vorinstalliert. Gegenüber dem befinden sich auf der Unterseite ein klassischer 3,5mm Kopfhöreranschluss und die neue USB-Type C Buchse, allerdings bietet diese nur USB 2.0 Geschwindigkeit beim übertragen von Daten.

Besonderheiten des P9 Plus

Wie das normale P9 bietet die Plus Variante einen Fingerabdrucksensor auf der Rückseite, welcher dank Fingerprint 4.0 Technik das Telefon oder Apps blitzschnell und zuverlässig im Bruchteil einer Sekunde entsperrt, sobald ein registrierter Finger den Sensor berührt. Es lassen sich bis zu 5 Finger registrieren.
Nebenbei bietet er noch ein paar nette Gimmicks, wie beispielsweise das Scrollen durch die Bilder in der Galerie oder das Öffnen der Benachrichtigungszentrale.

Das Huawei P9 Plus verfügt über 2 Lautsprecher (Front und Seite) und schaltet automatisch in den Stereo Modus, sobald es ins Querformat gedreht wird. Dabei dient die Ohrmuschel als Hochtöner und der untere Lautsprecher als Tieftöner.
Der Klang von Musik und Videos klingt dabei tatsächlich deutlich Räumlicher und Klarer, allerdings ist die Gesamtlautstärke im Stereomodus etwas leiser als im Mono Modus, wobei der Klang dann auf voller Lautstärke etwas zu blechern beginnt.
Insgesamt verfügt das Smartphone über überdurchschnittliche Lautsprecher, welche Musikliebhabern Freude bereiten wird.

Wo wir schon bei den Musikliebhabern sind, der Klang über Kopfhörer ist ausgewogen und laut genug, solange man nicht das mitgelieferte Headset verwendet. Bässe klingen druckvoll ohne dabei zu übersteuern und Höhen dringen klar in den Gehörgang.
Der DTS-Headset-Modus kann nach Bedarf in den Toneinstellungen eingeschaltet werden. Dieser verstärkt den Bass zusätzlich und verleiht dem Klang noch mehr Volumen.

Fazit zum P9 Plus

Das Huawei P9 Plus verbindet edles Design und hochwertige Verarbeitung mit sehr leistungsstarker Hardware, das allerdings mit einer UVP von 699€ einen stolzen Preis trägt. Der Aufpreis zum normalen P9 ist jedoch in Anbetracht auf die zusätzlichen Features, wie
Stereo Lautsprechern, dem größeren AMOLED Display mit Press Touch Technologie
und mehr internem Speicher gerechtfertigt. Wer auf diese Sachen jedoch verzichten kann, dem
empfehlen wir einen Blick auf das Huawei P9 zu werfen, welches in vielen Punkten
identisch zum hier getesteten Smartphone ist.
Wer noch mehr sparen möchte und auf die Leica Kamera verzichten kann, sollte sich den Preisknüller Honor 8 näher anschauen.

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